Mit Bilderbüchern Sprach- und Lesekompetenz fördern

Mit Bilderbüchern Sprach- und Lesekompetenz fördern

„Kinder müssen natürlich nicht immer etwas lernen, wenn sie ein Bilderbuch anschauen. Wenn es aber passiert, ohne dass sie es merken und ohne dass der pädagogische Zeigefinger zum Vorschein kommt, ist das doch eine „Win-win-Situation“ für alle.“

Timm Albers, S.16


Timm Albers

Das Bilderbuch-Buch. Sprache, Kreativität und Emotionen in der Kita fördern

136 Seiten

ISBN: 978-3-407-62904-3

Erschienen: 08.01.2015

Leseförderung beginnt bereits mit dem ersten Stoffbilderbuch. Klingt verrückt? Das „Bilderbuch-Buch“ vom Timm Albers, erschienen im Beltz Verlag, erklärt wie das geht. Albers überzeugt auf 136 Seiten davon, dass Kinder von Anfang an Büchern in Kontakt kommen müssen. Sie dürfen mit ihnen spielen. Sie müssen vorgelesen werden und Kinder müssen darüber sprechen können.  Bücher sind ein Sprachrohr für Kinder, die ihre Gefühle noch nicht so gut äußern können.

Albers betont die große Bedeutung der Literacy-Erziehung im Alter von null bis sechs Jahren. Die Heranführung an Sprache, Schrift und Medien beginnt schon vor dem Schuleintritt. Bereits erste Bilderbücher fördern die Begeisterung für Geschichten, Vorlesen, später selbst Geschichten erfinden und selbst lesen. Das Buch erläutert gut verständlich, wie Bilderbücher in verschiedenen Altersgruppen eingesetzt werden können. Es gibt praktische Tipps wie man Bücher von Anfang an ins Leben mit Kindern integrieren kann. Es werden zahlreiche bereits bekannte und auch neuere Bücher vorgestellt und für deren Einbindung in Themenbereiche des Kita-Alltags Beispiele gegeben.

Besonderen Wert legt das Buch auf Mehrsprachigkeit. Immer wieder werden Beispiele genannt, wie Sprachentwicklung gefördert und Mehrsprachigkeit und Vielfalt unterstützt werden kann. Albers weist immer wieder darauf hin, wie mit Bilderbüchern Interaktion und Sprachförderung initiiert werden kann. Wie funktioniert dialogisches Bilderbuchlesen? Welche Sprachlehrstrategien kann ich anwenden? Wie bringe ich die Kinder dazu, selbst Geschichten zu erfinden? Antworten auf diese Fragen finden Erzieher und Erzieherinnen in diese Buch.

Ein ganzes Kapitel wird der Einbindung von Eltern in den Lernprozess gewidmet. Auch hier überzeugt das Buch mit Vorschlägen zu konkreten Maßnahmen der Elternbeteiligung und Elternbildung. Im letzten Kapitel wird an konkreten Beispielen dargestellt, wie Bilderbücher für die Analyse und Förderung von sprachlichen Kompetenzen eingesetzt werden.  Farblich abgesetzte Infokästen und Beispiele erleichtern das Arbeiten mit dem Buch.

Fazit: Leseempfehlung für alle, die im Bereich der Lese- und Sprachförderung arbeiten.


„Dein Tag für Afrika“ – Eine Kritik

„Dein Tag für Afrika“ – Eine Kritik

Heute findet der bundesweite Aktionstag „Dein Tag für Afrika“ der Aktion Tagwerk statt. Schüler gehen nicht in die Schule (Yay!!), sondern organisieren eine Aktion für „einen guten Zweck.“ Sie arbeiten irgendwo, veranstalten einen Spendenlauf, versuchen halt irgendwie an Geld zu kommen. Das Geld wird an die Aktion Tagwerk gespendet, die es dann an das Human Help Network weitergibt, das es an Bildungsprojekte in Afrika verteilt.

Was zunächst toll aussieht, hat einen Haken: Was genau lernen die Schülerinnen und Schüler dabei? Schauen wir uns zunächst einmal das Kampagnenvideo an:

Bis Minute 0:39: Eine Schülerin in Deutschland weiß, dass es Schülerinnen und Schüler in Afrika nicht so leicht haben und ihr Leben nicht selbst gestalten können. Deshalb muss sie helfen. Klar, die Afrikaner können sich ja nicht selbst helfen und es wird auch gleich erklärt, warum.

Bis Minute 1:53: Als Beispiel für ganz Afrika dient Ruanda: Überbevölkerung; Flüchtlinge; Krieg und Konflikt und deren Folgen; Eltern vernachlässigen Kinder; Krankheiten (Malaria, AIDS);

Dann Erwähnung der 12-jährigen Schulpflicht. Gut!

Danach geht es allerdings gleich weiter mit Problemen: Schulabbruch wegen Armut, ungewollter Schwangerschaften oder wegen Hilfe bei Haus- oder Feldarbeit; in Schulen fehlen Klassenräume und Lehrer.

Minute 2:25: Auftritt der Heldin. Die Schülerin hat einen Solidaritätsmarsch organisiert. Daraus entstand die Aktion Tagwerk.

Minute 3:00 Handlungsaufruf: „Werde auch du ein Tagwerker.“ Du kannst auch ein Held sein!

Minute 3:19 Handlungsoptionen werden aufgezeigt: Rasen mähen, Kuchen verkaufen usw. „Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“ heißt es dort. Naja, in Afrika haben sie keine Kreativität, deshalb bekommen sie ihre Probleme auch nicht geregelt. Helfen macht Spaß (und hey, die Schule fällt aus!)

Es folgt noch einmal die Versicherung, das deine Hilfe Afrika retten wird.

„Mit deiner Unterstützung an nur einem Tag kann unglaublich viel für die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in Afrika getan werden.“

Afrika auf Augenhöhe begegnen

Wann werden wir wohl endlich aufhören Afrika als armen hilfsbedürftigen Empfänger und uns (Europa oder „den Westen“) als gönnerhaften Geber darzustellen?  Warum werden deutsche Jugendliche als handlungsfähig dargestellt, während afrikanische Jugendliche als handlungsunfähige Opfer ihrer Lebenswirklichkeit gezeigt werden? Was genau lernen deutsche Schülerinnen und Schüler hier? Nichts, jedenfalls nichts neues. Es werden Stereotype und gleichzeitig neokoloniale Machtstrukturen verfestigt.

Es ist schade, denn das Kampagnenmotto in diesem Jahr „Vernetzen. Verbinden. Verändern“ klingt vielversprechend. Ich konnte auf der Website der Aktion leider keinen einzigen Anhaltspunkt finden, wie man sich mit Schülerinnen und Schülern aus Afrika vernetzen oder verbinden kann. Lediglich die Helfer untereinander sollen sich vernetzen.

Ist es nicht an der Zeit, das wir Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, Schülerinnen und Schülern in Afrika auf Augenhöhe zu begegnen? Wir haben mit den digitalen Medien die Möglichkeit. Warum kein gemeinsames Projekt anstoßen? Warum sollten sich Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Ruanda nicht gemeinsam mit Themen, wie Demokratie oder Umweltschutz, beschäftigen. Die Kommunikation kann über ein gemeinsam gestaltetes Blog, Google Docs oder Skype verlaufen. Innerhalb Europas bietet E-Twinning eine ideale Plattform, die auch für Projekte mit Schulen außerhalb Europas genutzt werden kann.  Es wäre so viel sinnvoller, einmal mit den anderen zu reden, anstatt nur über sie. Gemeinsame Projekte können die Welt verändern, nicht einseitige Hilfe, so gut sie auch gemeint sein mag. Sie macht abhängig und verfestigt Machtverhältnisse.

 

Stereotype durchbrechen

Ziel von Aktion Tagwerk ist es

„die Schülerinnen und Schüler für den Kontinent Afrika, seine Menschen und ihre Lebensumstände zu sensibilisieren, Stereotype über den „Armutskontinent“ abzubauen und auf globale Zusammenhänge aufmerksam zu machen.“

Zu diesem Zweck bringt das Infomobil der Aktion Tagwerk ein Bildungsprojekt an die Schulen: den Afrika-Parcours.

„Ob Körbe auf dem Kopf tragen, Wasserkanister schleppen oder afrikanische Geschicklichkeitsspiele ausprobieren, für jeden ist etwas dabei. So können die Jüngeren Afrika spielerisch erleben und erfahren.“

Stereotype widerlegen? Fehlanzeige!

Stereotype widerlegt man am besten, indem man die Möglichkeit schafft, „die anderen“ kennenzulernen und dabei automatisch feststellt, dass es ja gar keine homogene wasserkanisterschleppende Masse ist, die den afrikanischen Kontinent bewohnt. Dazu muss man nicht jahrelang durch Afrika reisen. Eine veränderte (d.h. differenziertere) Darstellung Afrikas in Medien und Schulbüchern würde schon genügen.

Einen sehenswerten Vortrag zum Thema Handlungsfähigkeit und voneinander lernen gab es auf der re:publica:

 

Sollten Sie an Ihrer Schule Stereotype tatsächlich einmal infrage stellen wollen, dann nutzen Sie doch einfach dieses Video:

Weiterführendes Diskussionsmaterial finden Sie auf der Homepage von Africa for Norway.

Ein Hauswirtschaftsbuch wird Schulbuch des Jahres

Ein Hauswirtschaftsbuch wird Schulbuch des Jahres

Plan L

Kann ein Hauswirtschaftsbuch „Schulbuch des Jahres“ in der Kategorie „Geschichte/Gesellschaft“ werden? Klar kann es, denn dieses Buch ist richtig gut!

Das Georg Eckert Institut hat in diesem Jahr wieder das „Schulbuch des Jahres“ verliehen. Ich hatte bereits auf der Leipziger Buchmesse Gelegenheit das Buch kurz anzusehen. Jetzt habe ich es noch einmal genauer unter die Lupe genommen.

„Plan L – Leben bewusst gestalten“ aus dem Schöningh Verlag ist ein Lehrbuch für den Hauswirtschaftsunterricht der Sekundarstufe 1. Es geht in dem Buch um Ernährung, Gesundheit und Verbraucherbildung. Auf der ersten Doppelseite jedes Kapitels werden die Schülerinnen in ihrer Lebenswelt abgeholt. Durch Grafiken, Bilder, Zitate und Fragen wird Vorwissen aktiviert und eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema initiiert. Es lässt Themen der Nachhaltigkeit, der Gleichberechtigung und der gesellschaftlichen Vielfalt in die Themen des Faches Hauswirtschaft einfließen, ohne dass es bemüht aussieht. In jedem Kapitel sind „Du-kannst-Aufgaben“ zu finden, die es  Lehrern ermöglicht, Aufgaben differenzierend einzusetzen. Verweise in den Kapiteln führen zu einem Glossar, in dem Fachbegriffe erklärt werden, sowie zu den Methoden-Trainingsplätzen, die am Ende jedes Kapitels zu finden sind.

„Plan L“ spricht wichtige Fragen unserer Zeit an und zeigt Lösungen, die jeder im Alltag berücksichtigen kann. Beim Thema Ernährung geht es eben nicht nur darum, welche Lebensmittel wie viele Kalorien enthalten, wie sie verarbeitet und kombiniert werden können. Es geht um die gesellschaftliche Bedeutung des Essens. Es werden Dinge, wie Familienmahlzeiten, Esskulturen, Essen als Ausdrucksmittel angesprochen. Und so wird in diesem Buch jedes Thema in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet.

Religiöse Vielfalt und die damit zusammenhängenden Essgewohnheiten werden nicht etwa in einem separaten Kapitel unter einer Überschrift „Essen anderswo“ untergebracht. Vielfalt wird inklusiv behandelt. Eine muslimische Familie ist hier zum Beipiel mit der Bildunterschrift „…zu Hause wünschen wir uns oft eine gemeinsame Mahlzeit“ zu sehen. Sie wird nicht in ein Kapitel über Integration oder interkulturelle Verständigung verschoben. Sie ist in diesem Buch hier im „Wir“. Es gibt in dem Buch durchaus ein Kapitel mit dem Titel „Vielfalt in unserer Küche“. Darin geht es aber nicht um Vielfalt der Menschen oder Lebensweisen, sondern um Vielfalt der Kräuter und Gewürze.

Verbraucherthemen, die junge Menschen auf den eigenständigen Start ins Leben vorbereiten werden hier eingängig erklärt. Es werden Fragen behandelt, wie: Was muss in meinem Mietvertrag stehen? Welche Versicherungen brauche ich? Wie viel Geld benötige ich zum Leben? Aber auch das eigene Konsumverhalten der Schüler wird auf die Probe gestellt. Dies wird vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und des globalen Denkens anschaulich untersucht.

Das macht dieses Buch für mich so wertvoll: Ein Fach, was von einigen sicher belächelt wird, greift gesellschaftspolitische Themen in einer Art und Weise auf, die nur als zukunftsweisend bezeichnet werden kann.

Fazit: Mehr davon!

 

 

Das Curium – Ein Wissenschaftsangebot für Mädchen

Das Curium – Ein Wissenschaftsangebot für Mädchen

In den Geheimbund der Marie Curie aufgenommen zu werden ist Ziel des Onlinespiels „Das Curium„, das sich vor allem an Mädchen richtet. Wer Marie Curie war, wissen vielleicht noch einige. Aber Ada Lovlace, Lise Meitner, Dorothe Christiane Erxleben, Caroline Herschel, Rosalind Franklin kennen nur wenige. Das Curium stellt Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit und der Gegenwart vor. Die Besucherinnen der Seite werden zuerst aufgefordert, einige Fragen aus den Naturwissenschaften zu beantworten, um zu erfahren, welcher Wissenschaftlerinnentyp sie sind.

das curium quiz

Das Quiz. Screenshot der Website www.dascurium.de

Um nun in den geheimen Salon der Marie Curie zu gelangen, muss man mithilfe von Gegenständen, die man von den Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit erhält, ein Schloss öffnen. Dazu geht man auf eine Zeitreise und besucht sie bei ihrer Arbeit. In den Bildern sind verschiedene Personen oder Gegenstände anklickbar. Hier wird die Bedeutung der Wissenschaftlerinnen dargestellt.

das curium zeitreise

Auf Zeitreise: hier bei der Sternenforscherin Caroline Herschel. Screenshot der Website www.dascurium.de

Im Filmraum erzählen Wissenschaftlerinnen von heute aus ihrer Arbeit. Wer also wissen möchte, was Glücksforscherin, Hirnforscherin, Sternenforscherin oder Urzeitforscherin machen, der kann es hier erfahren.

das curium filme

Screenshot der Website www.dascurium.de

Die Website enthält sehr viele Informationen und durch den Gamification-Aspekt wird der Ehrgeiz geweckt, sich mit allen Wissenschaftlerinnen auseinanderzusetzen. Ich finde die Website sehr ansprechend gestaltet und Kinder finden sich in der Navigation gut zurecht. Die Initiatoren erhielten für ihre Website den Pädi 2014 in der Kategorie „Website für Jugendliche“ und das Qualitätssigel des Erfurter Netcodes.

Fazit: Das Curium – Die Geheimgesellschaft der Marie Curie ist eine wunderbare Möglichkeit für Mädchen (aber auch alle anderen!), das Wirken von Naturwissenschaftlerinnen in Vergangenheit und Gegenwart kennenzulernen und womöglich den Horizont des eigenen Berufswunsches zu erweitern.

 

 

„Ich habe nichts zu verbergen“

„Ich habe nichts zu verbergen“

Habe ich tatsächlich nichts zu verbergen? Ich möchte zum Beispiel nicht, dass mein Onlineverhalten, jeder Klick, jede Suche, jedes Bild, das mir gefällt, überwacht und gespeichert wird. Und nicht nur das, jede meiner Bewegungen wird durch mein Smartphone registriert. Irgendjemand kann irgendwo nachvollziehen, wann ich für wie lange an einem bestimmten Ort bin. Ich weiß nicht, wer wo und wie Zugriff hat auf die Daten, die mein Leben darstellen. Manchmal fühle ich mich dem hilflos ausgeliefert. Offline gehen ist keine Option. Ich liebe das Internet und seine Möglichkeiten. Ich brauche es, um mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben. Manchmal möchte ich das alles ignorieren und denken, dass ich gegen die übermächtigen Geheimdienste und Konzerne sowieso nichts machen kann. Aber einfach den Kopf in den Sand stecken ist nicht meine Art.

Natürlich kann man denken: „Die wissen doch sowieso alles. Warum sollte ich mir die Mühe machen, mich mit komplizierten Prozessen der Verschlüsselung oder anonymen Browsern auseinanderzusetzen, wenn ich die Überwachung doch nicht verhindern kann? Außerdem: Ich habe ja nichts zu verbergen!“ Es geht hier aber nicht darum, ob der Einzelne etwas zu verbergen hat. Denn wir alle stehen unter Verdacht. Wir werden alle anlasslos überwacht. In so einer Gesellschaft möchte ich nicht leben! Weitere Gründe warum das Nichts-zu-verbergen-Argument nicht zählt, findet man hier

Die Freiheit aller steht auf dem Spiel

Für mich geht es bei der Frage, der Onlinesicherheit nicht darum, ob der Einzelne sich schützen muss, sondern darum, dass sich die Gesellschaft als ganzes schützen muss. Es stehen nicht nur die Daten des Einzelnen zur Debatte, sondern letztendlich die Freiheit aller. In einer PEN-Studie gab ein Großteil der befragten Medienschaffenden an, ihr Onlineverhalten nach dem Bekanntwerden der Überwachungsaktivitäten durch Geheimdienste geändert zu haben. Journalisten unterwerfen sich auch in westlichen Demokratien der Selbstzensur! Meinungsfreiheit und Gedankenfreiheit stehen auf dem Spiel, ganz zu schweigen von unserem Recht auf Privatsphäre.

Es ist wie beim Impfen: Wenn alle sich impfen lassen, verdrängen wir ansteckende Krankheiten. Aber nur, wenn viele mitmachen, kann es eine Wirkung entfalten. Jeder einzelne kann – auch wenn er „nichts zu verbergen hat“ – den Geheimdiensten die Arbeit vermiesen und damit unsere Freiheit schützen. Es stimmt, das ist anstrengend (ein klein wenig jedenfalls), aber unsere Freiheit sollte es uns wert sein, dass wir uns mal ein paar Stunden mit dem Schutz unserer Privatsphäre auseinandersetzen. Unsere Regierung kümmert sich offensichtlich nicht um unser Recht auf Privatsphäre. Dann nehmen wir das eben selbst in die Hand. Selbst ist die Frau mündige Bürgerin!

In kleinen Schritten vorwärts

Ich setze mich seit der letzten Re:publica intensiver mit dem Thema auseinander. Damals sprach ich mit einem Mitarbeiter des Tactical Tech Collective. Er zeigte mir, wie ich den Anfang in Sachen Onlinesicherheit machen kann. Ich bin keine Expertin in Sachen Onlinesicherheit und bin in vielerlei Hinsicht immer noch viel zu nachlässig. Aber ich arbeite mich in kleinen Schritten vorwärts. Zuerst habe ich Keepass installiert, damit ich sichere Passwörter (und nicht überall das gleiche *hust*) verwende. Dann kam Super AntiSpyware und andere kleine Tools dazu. Einige Sachen habe ich probiert und wieder gelöscht, weil ich sie nervend oder umständlich fand.

Schließlich wagte ich mich an die Verschlüsselung. Zugegeben, das ist nicht so einfach, wie es von manchen behauptet wird, aber es ist auch kein Hexenwerk und Hilfe gibt es an vielen Stellen. Ich habe dazu diese Anleitung genutzt. Nach ein wenig Hilfe von einer Kollegin hat es dann letztendlich geklappt. Das Hasso-Plattner-Institut bietet ab Montag 9. 2. 2015 einen kostenlosen Onlinekurs zum Thema „Sichere E-Mail“ an. Wer sich also schon immer mal mit dem Thema beschäftigen wollte, aber vor dem technischen Aufwand zurückschreckte, dem sei dieser Kurs empfohlen. Natürlich gibt es auch in vielen Orten Cryptoparties, bei denen man Hilfe erhalten kann. Oder man schaut mal bei seiner Volkshochschule ins Programm. Oft gibt es auch dort Angebote zum Thema Onlinesicherheit.

Inzwischen läuft auf meinem Rechner auch der Tor-Browser. Ich möchte noch auf zwei Plattformen hinweisen, die mir sehr helfen, mich kontinuierlich mit dem Thema auseinanderzusetzen:

Bei Me and my shadow (Ein Projekt des Tactical Tech Collectives) kann man nachvollziehen, wie groß unser digitaler Schatten ist. Dazu werden Instrumente und Anleitungen geliefert, wie wir diesen digitalen Schatten verkleinern können.

Die Seite Surveillance Self-Defense ( Ein Projekt der Electronic Frontier Foundation) bietet zahlreiche Anleitungen zur Verbesserung der Onlinesicherheit. Zum Beispiel bietet es ein „Starter Pack“ für Anfänger und viele weitere Tutorials.

Ich liebe das Internet und möchte seine Möglichkeiten nicht missen. Ich möchte mich aber nicht kontinuierlich als Verdächtige fühlen, wenn ich mir bewusst bin, dass die Überwachungsmaschinerie auch gegen mich läuft.

Ich habe nichts zu verbergen, aber meine Freiheit zu verlieren. Deshalb ergreife ich die Möglichkeiten, die mir als Einzelne zur Verfügung stehen, um mich gegen die Totalüberwachung zu wehren. Dass darüber hinaus politische Schritte notwendig sind, ist selbstverständlich. Aber jeder Einzelne hat die Möglichkeit, etwas zu tun. Auch das Verhindern von Totalüberwachung ist für mich bürgerschaftliches Engagement und dazu kann jeder Einzelne beitragen.