Ein Bild regt mehr als tausend Worte an

Ein Bild regt mehr als tausend Worte an

Im Texttreff wird in diesem Jahr wieder geblogwichtelt. Das heißt, Textinen schenken sich gegenseitig Blogbeiträge. Ich freue mich, in diesem Jahr Maike Frie als Gast hier zu haben. Unter dem Namen skriving bietet sie alles rund um Text und Lektorat an. Sie betreut Autoren von der ersten Schreibwerkstatt bis zur PR-Beratung. Das alles ist gewürzt mit einer kräftigen Prise Norwegisch.

Hier ist Maikes Beitrag.

Ein Bild regt mehr als tausend Worte an

Anregungen zum Kreativen Schreiben gibt es wie Sand am Meer. Ein Klassiker ist, sich durch (Wort-)Bilder inspirieren zu lassen. Welche Geschichte steckt dahinter, was geschah vorher, was wird nachher rund um das Motiv geschehen?
In ganze Bildwelten abzutauchen, ist eine Übung, die ich gerne in Schreibgruppen verwende. Einmal, weil ich Bücher – insbesondere schön illustrierte – liebe, und weil sich solche Bilder-Bücher hervorragend in unterschiedlichsten Gruppen (nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene sowie für Einsteiger und Erfahrene) einsetzen lassen.
Ein kleiner Überblick über ein paar meiner Lieblingsbücher mit den Schreib-Ideen, die sich daraus entwickeln lassen:

Foto: Maike Frie

Foto: Maike Frie

Gefühle herausfischen
Woran erkennt man die Gefühle eines anderen? An Gesten, am Tonfall und ganz besonders an der Mimik. Als Autor ist es wichtig, sich in Gefühlsbeschreibungen zu üben, damit man keine Behauptungen („sie war wütend“) aufstellt, sondern an Aussehen und Benehmen seiner Figuren verdeutlicht, was sich Leser dann selbst erschließen können.
Solche Beschreibungen übe ich mit Fisch-Bildern. Mit Fischen? Richtig, Mies van Hout hat eine Reihe von bunten Fischen auf schwarzem Grund gemalt, denen man ihre Gefühle deutlich ansieht. Der zornige Fisch kneift seine Augen noch stärker zusammen als der böse Fisch, der neugierige Fisch hat sie weit geöffnet, aber nicht so aufgerissen wie der ängstliche Fisch … Der zufriedene Fisch macht beinahe einen Kussmund, der verliebte hat die Mundwinkel verträumt nach oben gezogen und dem erschrockenen Fisch fallen beinahe alle Zähne aus dem Maul … Natürlich sind diese Bilder nicht realistisch, sondern vermenschlicht, aber sie verdeutlichen gut, worauf es beim Beschreiben ankommt: auf die Details achten.
Als Buch im aracari-verlag kostet „Heute bin ich“ 13,90 Euro, als Kunstkarten-Set 18 Euro. Ich nutze die Bilder aus dem Buch laminiert, weil sie so schön groß und stabil sind, sich gut herumreichen und mit mehreren Leuten gleichzeitig betrachten lassen. Dann sprechen und schreiben wir darüber, wie sich ein Fisch gerade fühlt, warum das wohl so ist und entwickeln Szenen dazu, was passiert, wenn sich zwei Fische mit ihrer jeweiligen Stimmung begegnen.
Und später üben wir, an solchen Menschen Details die Gefühle unserer Protagonisten zu verdeutlichen …

Foto: Maike Frie

Foto: Maike Frie

Das Land der Wörterfabrik
In diesem Land können nur Wohlhabende kommunizieren, weil sich jeder die Wörter und Sätze aus der Wörterfabrik kaufen muss. In rot-schwarz gehaltenen Bildern vermitteln Agnès de Lestrade und Valeria Docampo die Stimmung des kleinen Paul, der gerne Maries Herz erobern möchte, sich aber nur abgelegte Worte aus dem Mülleimer leisten kann. Wie soll er so gegen den reichen Oskar bestehen? Doch die Geschichte geht gut aus – Marie verlässt sich auf ihr Herz.
Für Kindergruppen eignen sich zu diesem Buch klassische Weitererzähl-Fragen wie „Was geschieht nun mit Marie und Paul?“, aber auch Nachdenk-Anregungen wie „Wie stellst du dir dein Leben im Land der Wörterfabrik vor?“.
„Die große Wörterfabrik“ aus dem mixtvision Verlag gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen (auch als App).


Klassische Wie-geht’s-weiter-Geschichtenanfänge

Andreas Röckeners Buch heißt auch „Wie geht’s weiter? Bilder & Geschichten zum Weiterspinnen“. In diesem Buch aus dem Moritz Verlag (rund 14 Euro) stehen neben jedem Bild eine Überschrift und ein paar Sätze mit Auslassungszeichen. Gerade Kinder werden so dazu angeregt, sich in die Bildwelten hineinzuversetzen.
Für erwachsene Teilnehmer nutze ich die Bilder eher ohne vorgegebenen Textanfang. Allerdings muss die Gruppe diese Art von Illustrationen und Geschichten mögen, denn es sind Fantasiemotive: Fliegende Fische und laufende Kerzen, Hexen und andere Fantasiewesen.

Fantasiegut
Strandgut ist immer gut dafür, die Fantasie anzuregen. Wo kommt das her, was ich gefunden habe? Wo und bei wem war es vorher? In David Wiesners textlosem Buch „Strandgut“ aus dem Aladin Verlag (rund 17 Euro) findet ein Junge eine Kamera am Strand. Er lässt den Film darin entwickeln und entdeckt auf den Bildern sowohl verrückte Unterwasserwelten als auch Kinder, die sich selbst mit der Kamera fotografiert haben. Als er sich selbst ebenfalls am Meer fotografiert, entreißt ihm eine Welle die Kamera und spült diese durchs Meer zum nächsten Kind …
Die großformatigen Illustrationen der Kinder sprechen eher Erwachsene an, zumal Kinder heutzutage Probleme damit haben, sich eine Kamera mit Film darin vorzustellen, der erst entwickelt werden muss. Manchmal nutze ich für jüngere Schreibwerkstättler nur die Bilder der Unterwasserwelten – denn Kraken und abgestürzte Raumschiffe decken sich meist mit ihrer eigenen Fantasie.

Alle Blogwichtelbeiträge findet ihr hier.

 

Politische Bildung an Volkshochschulen

Am 28. und 29. September 2015 fand an der VHS Leipzig der Bundesplanungstag Politik – Umwelt – Gesellschaft statt. Mitarbeiter von Volkshochschulen aus ganz Deutschland und andere Akteure aus dem Bereich der Erwachsenenbildung nahmen am Austausch zu politischer Bildung teil. Gleich bei der Podiumsdiskussion zu Beginn der Veranstaltung wurden grundsätzliche Fragen angesprochen, die sich durch alle Diskussionsrunden zogen: Wie erreichen wir die Menschen? Wie kann VHS als Ort für politische Bildung besser wahrgenommen werden? Soll mehr Wert auf Inhalte oder auf Methoden gelegt werden?
Prof. Dr. Klaus Ahlheim forderte von der politischen Bildung, also auch von den Volkshochschulen, Alternativen zur gegenwärtigen Politik aufzuzeigen. Für ihn stehen die Inhalte der politischen Bildung im Vordergrund. Der Bundeszentrale für politischen Bildung, auf dem Podium vertreten durch deren Präsident Thomas Krüger, warf er vor, den Methoden zu große Bedeutung beizumessen. Krüger widersprach dem und sprach das Thema der aufsuchenden Bildungsarbeit an. Man müsse die Menschen dort abholen, wo sie sind. Als Beispiel wurde hier die Kooperation der Bundeszentrale mit RTLII aufgeführt. Die Sendung „Zeit für Helden“ thematisiert Zivilcourage und spricht Menschen an, die höchstwahrscheinlich keinen VHS-Kurs zu diesem Thema besuchen würden.

In vielen Diskussionen während der Tagung wurde klar, dass die Projekte oder Kurse besonders erfolgreich waren, die neue Wege gingen, die einen intensiven persönlichen Austausch ermöglichten oder eine persönliche Erfahrung mit großem Erkenntnisgewinn verknüpften. Kurse, in denen ein „allwissender Lehrer“ seinen Teilnehmern in einem Seminar etwas vermittelt, sind nicht so erfolgreich, wie Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer zu Koproduzenten werden.

Aktuelle Themen der politischen Bildung

Das aktuelle Thema des Umgangs mit den großen Fluchtbewegungen nahm erwartungsgemäß einen großen Raum ein. Es wurden verschiedene Projekte zu diesem Themenbereich vorgestellt. Hauptanliegen in den Volkshochschulen sind nach wie vor die Sprachkurse. Aber es gibt viele Angebote, die versuchen eine Begegnung zwischen Aufnahmegesellschaft und Ankommenden zu ermöglichen. Viele Vertreter sahen auch die Notwendigkeit, den vielen ehrenamtlich engagierten Menschen Möglichkeiten zum Austausch, zur Weiterbildung und zum Verstehen der Situation der Flüchtlinge zu bieten. Gleichzeitig wird von allen die Notwendigkeit der Teilhabe der Geflüchteten selbst betont.

Es wurde aber auch gefordert, den Umgang mit dem Thema „Flüchtlinge“ in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Dazu bietet das Projekt „Globales Lernen“, getragen vom dvv international, Gelegenheit. Es unterstützt die Volkshochschulen dabei, Veranstaltungen durchzuführen, die ein besseres Verständnis für globale Zusammenhänge vermitteln sollen.

Es blieben offene Fragen, mit denen sich die VHS auch in Zukunft kritisch auseinandersetzen muss ist: Ist die VHS offen für alle? Wie weit geht diese Offenheit? Welchen Akteuren muss man ein Podium bieten? Mit welchen Positionen kann man sich noch argumentativ auseinandersetzen und welche sollten eventuell ausgeschlossen werden?

VHS als Ort politischer Bildung

Es war zu spüren, dass viel Engagement in den Volkshochschulen für die Themen der politischen Bildung vorhanden ist. Scheinbar bremsen starre Verwaltungsstrukturen und mangelnde Finanzierung dieses Potential bisweilen aus. Durch großen Einsatz der Mitarbeiter werden Projekte realisiert, die nachhaltig sind und in die Gesellschaft wirken. Zu wünschen wäre, dass die zuständigen Politiker das Potential der Volkshochschulen als Ort er politischen Bildung erkennen und dementsprechend fördern. Andererseits müssen sich auch die Volkshochschulen bewegen und sich offensiver nach außen darstellen, Netzwerke mit anderen Akteuren knüpfen und Wege finden, neue Zielgruppen zu erschließen.

Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, bei der sich zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch und zum Entwickeln neuer Ideen bot.

Tweets von der #vhspb15

Mit Bilderbüchern Sprach- und Lesekompetenz fördern

Mit Bilderbüchern Sprach- und Lesekompetenz fördern

„Kinder müssen natürlich nicht immer etwas lernen, wenn sie ein Bilderbuch anschauen. Wenn es aber passiert, ohne dass sie es merken und ohne dass der pädagogische Zeigefinger zum Vorschein kommt, ist das doch eine „Win-win-Situation“ für alle.“

Timm Albers, S.16


Timm Albers

Das Bilderbuch-Buch. Sprache, Kreativität und Emotionen in der Kita fördern

136 Seiten

ISBN: 978-3-407-62904-3

Erschienen: 08.01.2015

Leseförderung beginnt bereits mit dem ersten Stoffbilderbuch. Klingt verrückt? Das „Bilderbuch-Buch“ vom Timm Albers, erschienen im Beltz Verlag, erklärt wie das geht. Albers überzeugt auf 136 Seiten davon, dass Kinder von Anfang an Büchern in Kontakt kommen müssen. Sie dürfen mit ihnen spielen. Sie müssen vorgelesen werden und Kinder müssen darüber sprechen können.  Bücher sind ein Sprachrohr für Kinder, die ihre Gefühle noch nicht so gut äußern können.

Albers betont die große Bedeutung der Literacy-Erziehung im Alter von null bis sechs Jahren. Die Heranführung an Sprache, Schrift und Medien beginnt schon vor dem Schuleintritt. Bereits erste Bilderbücher fördern die Begeisterung für Geschichten, Vorlesen, später selbst Geschichten erfinden und selbst lesen. Das Buch erläutert gut verständlich, wie Bilderbücher in verschiedenen Altersgruppen eingesetzt werden können. Es gibt praktische Tipps wie man Bücher von Anfang an ins Leben mit Kindern integrieren kann. Es werden zahlreiche bereits bekannte und auch neuere Bücher vorgestellt und für deren Einbindung in Themenbereiche des Kita-Alltags Beispiele gegeben.

Besonderen Wert legt das Buch auf Mehrsprachigkeit. Immer wieder werden Beispiele genannt, wie Sprachentwicklung gefördert und Mehrsprachigkeit und Vielfalt unterstützt werden kann. Albers weist immer wieder darauf hin, wie mit Bilderbüchern Interaktion und Sprachförderung initiiert werden kann. Wie funktioniert dialogisches Bilderbuchlesen? Welche Sprachlehrstrategien kann ich anwenden? Wie bringe ich die Kinder dazu, selbst Geschichten zu erfinden? Antworten auf diese Fragen finden Erzieher und Erzieherinnen in diese Buch.

Ein ganzes Kapitel wird der Einbindung von Eltern in den Lernprozess gewidmet. Auch hier überzeugt das Buch mit Vorschlägen zu konkreten Maßnahmen der Elternbeteiligung und Elternbildung. Im letzten Kapitel wird an konkreten Beispielen dargestellt, wie Bilderbücher für die Analyse und Förderung von sprachlichen Kompetenzen eingesetzt werden.  Farblich abgesetzte Infokästen und Beispiele erleichtern das Arbeiten mit dem Buch.

Fazit: Leseempfehlung für alle, die im Bereich der Lese- und Sprachförderung arbeiten.


„Dein Tag für Afrika“ – Eine Kritik

„Dein Tag für Afrika“ – Eine Kritik

Heute findet der bundesweite Aktionstag „Dein Tag für Afrika“ der Aktion Tagwerk statt. Schüler gehen nicht in die Schule (Yay!!), sondern organisieren eine Aktion für „einen guten Zweck.“ Sie arbeiten irgendwo, veranstalten einen Spendenlauf, versuchen halt irgendwie an Geld zu kommen. Das Geld wird an die Aktion Tagwerk gespendet, die es dann an das Human Help Network weitergibt, das es an Bildungsprojekte in Afrika verteilt.

Was zunächst toll aussieht, hat einen Haken: Was genau lernen die Schülerinnen und Schüler dabei? Schauen wir uns zunächst einmal das Kampagnenvideo an:

Bis Minute 0:39: Eine Schülerin in Deutschland weiß, dass es Schülerinnen und Schüler in Afrika nicht so leicht haben und ihr Leben nicht selbst gestalten können. Deshalb muss sie helfen. Klar, die Afrikaner können sich ja nicht selbst helfen und es wird auch gleich erklärt, warum.

Bis Minute 1:53: Als Beispiel für ganz Afrika dient Ruanda: Überbevölkerung; Flüchtlinge; Krieg und Konflikt und deren Folgen; Eltern vernachlässigen Kinder; Krankheiten (Malaria, AIDS);

Dann Erwähnung der 12-jährigen Schulpflicht. Gut!

Danach geht es allerdings gleich weiter mit Problemen: Schulabbruch wegen Armut, ungewollter Schwangerschaften oder wegen Hilfe bei Haus- oder Feldarbeit; in Schulen fehlen Klassenräume und Lehrer.

Minute 2:25: Auftritt der Heldin. Die Schülerin hat einen Solidaritätsmarsch organisiert. Daraus entstand die Aktion Tagwerk.

Minute 3:00 Handlungsaufruf: „Werde auch du ein Tagwerker.“ Du kannst auch ein Held sein!

Minute 3:19 Handlungsoptionen werden aufgezeigt: Rasen mähen, Kuchen verkaufen usw. „Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“ heißt es dort. Naja, in Afrika haben sie keine Kreativität, deshalb bekommen sie ihre Probleme auch nicht geregelt. Helfen macht Spaß (und hey, die Schule fällt aus!)

Es folgt noch einmal die Versicherung, das deine Hilfe Afrika retten wird.

„Mit deiner Unterstützung an nur einem Tag kann unglaublich viel für die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in Afrika getan werden.“

Afrika auf Augenhöhe begegnen

Wann werden wir wohl endlich aufhören Afrika als armen hilfsbedürftigen Empfänger und uns (Europa oder „den Westen“) als gönnerhaften Geber darzustellen?  Warum werden deutsche Jugendliche als handlungsfähig dargestellt, während afrikanische Jugendliche als handlungsunfähige Opfer ihrer Lebenswirklichkeit gezeigt werden? Was genau lernen deutsche Schülerinnen und Schüler hier? Nichts, jedenfalls nichts neues. Es werden Stereotype und gleichzeitig neokoloniale Machtstrukturen verfestigt.

Es ist schade, denn das Kampagnenmotto in diesem Jahr „Vernetzen. Verbinden. Verändern“ klingt vielversprechend. Ich konnte auf der Website der Aktion leider keinen einzigen Anhaltspunkt finden, wie man sich mit Schülerinnen und Schülern aus Afrika vernetzen oder verbinden kann. Lediglich die Helfer untereinander sollen sich vernetzen.

Ist es nicht an der Zeit, das wir Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, Schülerinnen und Schülern in Afrika auf Augenhöhe zu begegnen? Wir haben mit den digitalen Medien die Möglichkeit. Warum kein gemeinsames Projekt anstoßen? Warum sollten sich Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Ruanda nicht gemeinsam mit Themen, wie Demokratie oder Umweltschutz, beschäftigen. Die Kommunikation kann über ein gemeinsam gestaltetes Blog, Google Docs oder Skype verlaufen. Innerhalb Europas bietet E-Twinning eine ideale Plattform, die auch für Projekte mit Schulen außerhalb Europas genutzt werden kann.  Es wäre so viel sinnvoller, einmal mit den anderen zu reden, anstatt nur über sie. Gemeinsame Projekte können die Welt verändern, nicht einseitige Hilfe, so gut sie auch gemeint sein mag. Sie macht abhängig und verfestigt Machtverhältnisse.

 

Stereotype durchbrechen

Ziel von Aktion Tagwerk ist es

„die Schülerinnen und Schüler für den Kontinent Afrika, seine Menschen und ihre Lebensumstände zu sensibilisieren, Stereotype über den „Armutskontinent“ abzubauen und auf globale Zusammenhänge aufmerksam zu machen.“

Zu diesem Zweck bringt das Infomobil der Aktion Tagwerk ein Bildungsprojekt an die Schulen: den Afrika-Parcours.

„Ob Körbe auf dem Kopf tragen, Wasserkanister schleppen oder afrikanische Geschicklichkeitsspiele ausprobieren, für jeden ist etwas dabei. So können die Jüngeren Afrika spielerisch erleben und erfahren.“

Stereotype widerlegen? Fehlanzeige!

Stereotype widerlegt man am besten, indem man die Möglichkeit schafft, „die anderen“ kennenzulernen und dabei automatisch feststellt, dass es ja gar keine homogene wasserkanisterschleppende Masse ist, die den afrikanischen Kontinent bewohnt. Dazu muss man nicht jahrelang durch Afrika reisen. Eine veränderte (d.h. differenziertere) Darstellung Afrikas in Medien und Schulbüchern würde schon genügen.

Einen sehenswerten Vortrag zum Thema Handlungsfähigkeit und voneinander lernen gab es auf der re:publica:

 

Sollten Sie an Ihrer Schule Stereotype tatsächlich einmal infrage stellen wollen, dann nutzen Sie doch einfach dieses Video:

Weiterführendes Diskussionsmaterial finden Sie auf der Homepage von Africa for Norway.

Ein Hauswirtschaftsbuch wird Schulbuch des Jahres

Ein Hauswirtschaftsbuch wird Schulbuch des Jahres

Plan L

Kann ein Hauswirtschaftsbuch „Schulbuch des Jahres“ in der Kategorie „Geschichte/Gesellschaft“ werden? Klar kann es, denn dieses Buch ist richtig gut!

Das Georg Eckert Institut hat in diesem Jahr wieder das „Schulbuch des Jahres“ verliehen. Ich hatte bereits auf der Leipziger Buchmesse Gelegenheit das Buch kurz anzusehen. Jetzt habe ich es noch einmal genauer unter die Lupe genommen.

„Plan L – Leben bewusst gestalten“ aus dem Schöningh Verlag ist ein Lehrbuch für den Hauswirtschaftsunterricht der Sekundarstufe 1. Es geht in dem Buch um Ernährung, Gesundheit und Verbraucherbildung. Auf der ersten Doppelseite jedes Kapitels werden die Schülerinnen in ihrer Lebenswelt abgeholt. Durch Grafiken, Bilder, Zitate und Fragen wird Vorwissen aktiviert und eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema initiiert. Es lässt Themen der Nachhaltigkeit, der Gleichberechtigung und der gesellschaftlichen Vielfalt in die Themen des Faches Hauswirtschaft einfließen, ohne dass es bemüht aussieht. In jedem Kapitel sind „Du-kannst-Aufgaben“ zu finden, die es  Lehrern ermöglicht, Aufgaben differenzierend einzusetzen. Verweise in den Kapiteln führen zu einem Glossar, in dem Fachbegriffe erklärt werden, sowie zu den Methoden-Trainingsplätzen, die am Ende jedes Kapitels zu finden sind.

„Plan L“ spricht wichtige Fragen unserer Zeit an und zeigt Lösungen, die jeder im Alltag berücksichtigen kann. Beim Thema Ernährung geht es eben nicht nur darum, welche Lebensmittel wie viele Kalorien enthalten, wie sie verarbeitet und kombiniert werden können. Es geht um die gesellschaftliche Bedeutung des Essens. Es werden Dinge, wie Familienmahlzeiten, Esskulturen, Essen als Ausdrucksmittel angesprochen. Und so wird in diesem Buch jedes Thema in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet.

Religiöse Vielfalt und die damit zusammenhängenden Essgewohnheiten werden nicht etwa in einem separaten Kapitel unter einer Überschrift „Essen anderswo“ untergebracht. Vielfalt wird inklusiv behandelt. Eine muslimische Familie ist hier zum Beipiel mit der Bildunterschrift „…zu Hause wünschen wir uns oft eine gemeinsame Mahlzeit“ zu sehen. Sie wird nicht in ein Kapitel über Integration oder interkulturelle Verständigung verschoben. Sie ist in diesem Buch hier im „Wir“. Es gibt in dem Buch durchaus ein Kapitel mit dem Titel „Vielfalt in unserer Küche“. Darin geht es aber nicht um Vielfalt der Menschen oder Lebensweisen, sondern um Vielfalt der Kräuter und Gewürze.

Verbraucherthemen, die junge Menschen auf den eigenständigen Start ins Leben vorbereiten werden hier eingängig erklärt. Es werden Fragen behandelt, wie: Was muss in meinem Mietvertrag stehen? Welche Versicherungen brauche ich? Wie viel Geld benötige ich zum Leben? Aber auch das eigene Konsumverhalten der Schüler wird auf die Probe gestellt. Dies wird vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und des globalen Denkens anschaulich untersucht.

Das macht dieses Buch für mich so wertvoll: Ein Fach, was von einigen sicher belächelt wird, greift gesellschaftspolitische Themen in einer Art und Weise auf, die nur als zukunftsweisend bezeichnet werden kann.

Fazit: Mehr davon!

 

 

Das Curium – Ein Wissenschaftsangebot für Mädchen

Das Curium – Ein Wissenschaftsangebot für Mädchen

In den Geheimbund der Marie Curie aufgenommen zu werden ist Ziel des Onlinespiels „Das Curium„, das sich vor allem an Mädchen richtet. Wer Marie Curie war, wissen vielleicht noch einige. Aber Ada Lovlace, Lise Meitner, Dorothe Christiane Erxleben, Caroline Herschel, Rosalind Franklin kennen nur wenige. Das Curium stellt Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit und der Gegenwart vor. Die Besucherinnen der Seite werden zuerst aufgefordert, einige Fragen aus den Naturwissenschaften zu beantworten, um zu erfahren, welcher Wissenschaftlerinnentyp sie sind.

das curium quiz

Das Quiz. Screenshot der Website www.dascurium.de

Um nun in den geheimen Salon der Marie Curie zu gelangen, muss man mithilfe von Gegenständen, die man von den Wissenschaftlerinnen der Vergangenheit erhält, ein Schloss öffnen. Dazu geht man auf eine Zeitreise und besucht sie bei ihrer Arbeit. In den Bildern sind verschiedene Personen oder Gegenstände anklickbar. Hier wird die Bedeutung der Wissenschaftlerinnen dargestellt.

das curium zeitreise

Auf Zeitreise: hier bei der Sternenforscherin Caroline Herschel. Screenshot der Website www.dascurium.de

Im Filmraum erzählen Wissenschaftlerinnen von heute aus ihrer Arbeit. Wer also wissen möchte, was Glücksforscherin, Hirnforscherin, Sternenforscherin oder Urzeitforscherin machen, der kann es hier erfahren.

das curium filme

Screenshot der Website www.dascurium.de

Die Website enthält sehr viele Informationen und durch den Gamification-Aspekt wird der Ehrgeiz geweckt, sich mit allen Wissenschaftlerinnen auseinanderzusetzen. Ich finde die Website sehr ansprechend gestaltet und Kinder finden sich in der Navigation gut zurecht. Die Initiatoren erhielten für ihre Website den Pädi 2014 in der Kategorie „Website für Jugendliche“ und das Qualitätssigel des Erfurter Netcodes.

Fazit: Das Curium – Die Geheimgesellschaft der Marie Curie ist eine wunderbare Möglichkeit für Mädchen (aber auch alle anderen!), das Wirken von Naturwissenschaftlerinnen in Vergangenheit und Gegenwart kennenzulernen und womöglich den Horizont des eigenen Berufswunsches zu erweitern.