Am 28. und 29. September 2015 fand an der VHS Leipzig der Bundesplanungstag Politik – Umwelt – Gesellschaft statt. Mitarbeiter von Volkshochschulen aus ganz Deutschland und andere Akteure aus dem Bereich der Erwachsenenbildung nahmen am Austausch zu politischer Bildung teil. Gleich bei der Podiumsdiskussion zu Beginn der Veranstaltung wurden grundsätzliche Fragen angesprochen, die sich durch alle Diskussionsrunden zogen: Wie erreichen wir die Menschen? Wie kann VHS als Ort für politische Bildung besser wahrgenommen werden? Soll mehr Wert auf Inhalte oder auf Methoden gelegt werden?
Prof. Dr. Klaus Ahlheim forderte von der politischen Bildung, also auch von den Volkshochschulen, Alternativen zur gegenwärtigen Politik aufzuzeigen. Für ihn stehen die Inhalte der politischen Bildung im Vordergrund. Der Bundeszentrale für politischen Bildung, auf dem Podium vertreten durch deren Präsident Thomas Krüger, warf er vor, den Methoden zu große Bedeutung beizumessen. Krüger widersprach dem und sprach das Thema der aufsuchenden Bildungsarbeit an. Man müsse die Menschen dort abholen, wo sie sind. Als Beispiel wurde hier die Kooperation der Bundeszentrale mit RTLII aufgeführt. Die Sendung „Zeit für Helden“ thematisiert Zivilcourage und spricht Menschen an, die höchstwahrscheinlich keinen VHS-Kurs zu diesem Thema besuchen würden.

In vielen Diskussionen während der Tagung wurde klar, dass die Projekte oder Kurse besonders erfolgreich waren, die neue Wege gingen, die einen intensiven persönlichen Austausch ermöglichten oder eine persönliche Erfahrung mit großem Erkenntnisgewinn verknüpften. Kurse, in denen ein „allwissender Lehrer“ seinen Teilnehmern in einem Seminar etwas vermittelt, sind nicht so erfolgreich, wie Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer zu Koproduzenten werden.

Aktuelle Themen der politischen Bildung

Das aktuelle Thema des Umgangs mit den großen Fluchtbewegungen nahm erwartungsgemäß einen großen Raum ein. Es wurden verschiedene Projekte zu diesem Themenbereich vorgestellt. Hauptanliegen in den Volkshochschulen sind nach wie vor die Sprachkurse. Aber es gibt viele Angebote, die versuchen eine Begegnung zwischen Aufnahmegesellschaft und Ankommenden zu ermöglichen. Viele Vertreter sahen auch die Notwendigkeit, den vielen ehrenamtlich engagierten Menschen Möglichkeiten zum Austausch, zur Weiterbildung und zum Verstehen der Situation der Flüchtlinge zu bieten. Gleichzeitig wird von allen die Notwendigkeit der Teilhabe der Geflüchteten selbst betont.

Es wurde aber auch gefordert, den Umgang mit dem Thema „Flüchtlinge“ in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Dazu bietet das Projekt „Globales Lernen“, getragen vom dvv international, Gelegenheit. Es unterstützt die Volkshochschulen dabei, Veranstaltungen durchzuführen, die ein besseres Verständnis für globale Zusammenhänge vermitteln sollen.

Es blieben offene Fragen, mit denen sich die VHS auch in Zukunft kritisch auseinandersetzen muss ist: Ist die VHS offen für alle? Wie weit geht diese Offenheit? Welchen Akteuren muss man ein Podium bieten? Mit welchen Positionen kann man sich noch argumentativ auseinandersetzen und welche sollten eventuell ausgeschlossen werden?

VHS als Ort politischer Bildung

Es war zu spüren, dass viel Engagement in den Volkshochschulen für die Themen der politischen Bildung vorhanden ist. Scheinbar bremsen starre Verwaltungsstrukturen und mangelnde Finanzierung dieses Potential bisweilen aus. Durch großen Einsatz der Mitarbeiter werden Projekte realisiert, die nachhaltig sind und in die Gesellschaft wirken. Zu wünschen wäre, dass die zuständigen Politiker das Potential der Volkshochschulen als Ort er politischen Bildung erkennen und dementsprechend fördern. Andererseits müssen sich auch die Volkshochschulen bewegen und sich offensiver nach außen darstellen, Netzwerke mit anderen Akteuren knüpfen und Wege finden, neue Zielgruppen zu erschließen.

Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, bei der sich zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch und zum Entwickeln neuer Ideen bot.

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